| Das Zelt | Mittelalter | ||
| Steckstuhl |
|
Das Problem beim Mittelalterzelt ist eigentlich - woher nehmen und nicht stehlen. Ich habe das Internet durchforstet, Bezugsquellen gesucht und Preise verglichen. Aber es hat sich echt nicht ausgezahlt... Und dann der Gedanke: "Das nähe ich mir selber". Die Antworten: "...zahlt sich nicht aus...", "...bringst net zsamm...", "...genauso teuer wie gekauft...", "...wird nie was..." "Wird nie was" war die Initalzündung, neben einem Bogenschießturnier, welches wir ausgerichtet haben. Dort stand ein wunderhübsches Tipi, schlanke sieben Meter hoch. Und als ich den Mann fragte woher er denn das hat, meinte er "jo, da hab ich irgendwo den Stoff gekauft und dann bin ich im Vorzimmer gesessen und hab halt genäht". Er wollte mir noch sagen wo der Stoff her war aber hat mich dann geflissentlich in der Hitze stehenlassen in Wien, zweimal - naja... Das Schöne an Wien ist - immer wieder lernt man liebe Leute kennen welche ähnliche Interessen haben - und die Bekannten die uns zu unserem Mittelalterfummel verholfen haben meinten "schau zum Textil-Müller, der hat Stoff". Ich kenne die Preise, schaudere, fahre mit der Schnellbahn zum Müller (eine weise Entscheidung, die Straße ist Baustelle, der Stau 4 km lang, die Temperatur 38 Grad im Schatten) und beginne meine Stoffsuche. Die Leute beim Müller sind trotz Affenhitze erstaunlich entspannt, es gibt gratis Trinken "ein Geschenk von Herrn Müller an seine Kunden" (Danke an dieser Stelle) und ich finde einen Ballen sogenannte Rohware. Wir diskutieren ob des Stoffgewichtes, rechnen ca. 220 g/qm aus und entscheiden, daß es eigentlich dicht genug sein müßte, vor allem, wenn es imprägniert wird nachher. Und die echt angenehme Überraschung "Machens dem Herrn einen Preis, 1,50 € statt 2, das paßt schon..." Ich schultere 40 Laufmeter Stoff und tingle mit der Schnellbahn am Stau vorbei wieder Richtung Heimat. Zuhause angekommen: "Was ist das?" - "Unser Zelt" - "Schaut gar nicht so aus" - "Später, stör mich nicht..." Der Zuschnitt. Das Problem bei Rohware steht schon am Etikett: "Vorsicht, Ware springt ein" - also geb ich großzügig zu, schneide sieben Meter. Nach dem Waschen sinds knappe sechs Meter, echt Glück gehabt. Bei den 3,5 Meterbahnen ist der Schwund geringer, trotzdem Glück, das muß man sich merken. Die Ware springt gute 10-12% ein in der Länge, wenn man das vorher schneiden muß, weil die Waschmaschine zu klein ist, muß man aufpassen.![]()
Waschen und BügelnJa. Die Waschmaschine schäumte vor Eifer und kochte vor Wut. Kochwaschprogramm, kurzer Lauf, ohne Schongang. Die zweite und dritte Runde mit der halben Menge Waschpulver... Ah ja - gebügelt wurde der ganze Haufen auch - sonst ist die Rohware nicht handhabbar.![]()
NähenIrgendwie muß das Zeug ja dann nun zusammengefügt werden. Man schaut sich seine Jeans an und denkt sich "...das kann ich auch..." Ein Probestück Stoff, ein zweites und - erraten: Schneiderzubehör: "wie macht man denn das?" Die Antwort ist enzyklopädisch, liebenswert, unbrauchbar - "Kappnaht, eigener Schuh für die Nähmaschine, sehr teuer..." Na schön. experimentiere ich halt noch ein bisserl. Also - beide Stoffbahnen aufeinander, den Saumschuh auf die Maschine und die Kanten gleich umgenäht - zumindest halten die mal zusammen. Dann das Ganze aufklappen, den Saum umknicken, niedernähen - ah ja - und eine zweite Naht daneben - cool - Kappnaht! Allerdings mit einer ziemlich sicher überflüssigen Saumnaht dabei aber egal - das hält. Und dann wird genäht...![]()
![]()
![]()
Die Sitzgelegenheit ist unter der schieren Arbeitslast zusammengebrochen, der Würfel ist aber von der Höhe her eh bequemer - ich bin eher groß, war besser dann fürs Kreuz. Bilder die noch fehlenSchlaufen nähen, Hölzer zurichten. Häringe müssen noch gemacht werden. Und schlussendlich das Imprägnieren.Die aufregendste aller Fragen:
67,70 € - 40 Laufmeter Rohware, ca 220-250g/qm (Textil-Müller)
|
|